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Antrittsrede des Bundesinnungsmeisters Gustav Treulieb anlässlich seiner Wiederwahl
 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zunächst danke ich Ihnen, dass Sie mir wieder Ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich bin mir dieser großen Verantwortung und Herausforderung bewusst. Die letzten Jahre waren im Bundesverband keine leichten Jahre, denn Ihr Vertrauen mussten wir zurückgewinnen. Ich hoffe, dass uns dies Schritt für Schritt gelungen ist und kann Ihnen versprechen, dass wir weiter daran arbeiten werden.

Bei allen regionalen Problemen, die wir haben, brauchen wir eine Stimme auf Bundesebene. Nur wenn wir hier unsere Kräfte bündeln und zusammen stehen, werden wir auch weiterhin die für uns wichtigen Organisationen, wie das Berufsbildungswerk  und die Zusatzversorgungskasse haben, die unsere Eigenständigkeit repräsentieren. Nur wenn wir auf Bundesebene zusammen arbeiten, können wir gemeinsam in der öffentlichen Wahrnehmung unser Image verbessern – was wir dringend nötig haben. Mit der Marketingumlage können wir diese Aufgabe stemmen. Die hier auf der Bundestagung vorgestellte Imagekampagne ist dafür ein wichtiger Schritt. Nur gemeinsam können wir unsere Stimme erheben, alleine schafft das keiner. Dazu gehört auch eine regelmäßige Pressearbeit. Hier berichten wir aus unserer Arbeit, beziehen Position zu kritischen Themen oder erstellen Meldungen zu unserer Arbeit, die wir gezielt an die Publikumspresse oder die Fachpresse richten. Von diesen Aktivitäten können die Zahler der Marketingumlage direkt profitieren, so dass sich der gezahlte Betrag pro Betrieb schnell für jeden einzelnen rechnet. Mit der Marketingumlage haben wir auch die Möglichkeit, unser Handwerk auf bundesweiten Messen und Ausstellungen, wie der BAU München, der GALA Bau, der EUHEF, der Denkmalmesse und den Natursteintagen zu präsentieren. Je nach Ausrichtung zeigen wir, was der Steinmetz im Bau, in der Denkmalpflege oder auf dem Friedhof kann. Wir haben inzwischen in allen Bereichen starke Konkurrenz und es ist an der Zeit, dass wir uns gegen die Konkurrenten wehren und mit Selbstbewusstsein zu unserem Können stehen. Daher ist es mir als Bundesinnungsmeister wichtig, dass wir/Sie hier in Berlin eine Entscheidung für die Fortführung der Marketingumlage treffen. Die Erfolge der letzten zwei Jahre zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind und das uns anvertraute Geld sinnvoll und zielgerichtet einsetzen.

Wichtig ist mir aber auch und vor allem der Erhalt des Bundesinnungsverbandes. Ohne ihn können wir weder ein Marketing, noch Lobbyarbeit betreiben, wir können keine betriebswirtschaftliche, keine technische und keine friedhofsrechtliche Beratung anbieten. Dies wäre fatal, denn nur der Bundesverband übernimmt als Fachverband unsere inhaltliche, fachliche Arbeit. Hierüber haben wir die Anbindung an den Zentralverband des Deutschen Handwerks, der unsere Interessen in der großen Bundespolitik gemeinsam mit allen anderen Handwerken vertritt. Gerade in Zeiten der europäischen Harmonisierung stehen viele Entscheidungen in Brüssel zur Debatte, die nicht nach unserem Willen sind. Ganz aktuell ist es die Infragestellung des Meisterbriefes, der uns in Deutschland gegenüber anderen Ländern abgrenzt. Er ist ein Teil unseres Erfolges und muss erhalten bleiben. Bei den Fliesenlegern sehen wir, wohin die Abschaffung führen kann.

Die finanzielle Situation im Bundesverband ist momentan nicht so, wie wir sie uns wünschen. Wichtige Einnahmen sind erstmals 2013 in großem Maße weggebrochen und fehlen uns in der Jahresplanung. In der Ausgabenseite haben wir daher wieder sehr knapp geplant, wissen aber, dass wir eventuell etliche Aufgaben nicht erfüllen können, die wir in unserem Aufgaben- und Maßnahmenplan erfasst haben. Dies kann jedoch kein Dauerzustand sein. Die Aufgaben wachsen, der Druck von außen wird größer. Wir wollen nicht verwalten, sondern gestalten. Für die aktive Gestaltung unserer Arbeit bedarf es aber einer finanziellen Grundlage. Daher müssen wir – ich, der Vorstand, die Geschäftsführung, aber auch alle Mitglieder – nach Wegen suchen, die den Verband auf eine solide finanzielle Basis mittel- und langfristig stellen. Es wird eine meiner vorrangigen Aufgaben sein, gemeinsam mit dem Vorstand und der Geschäftsführung, an diesem Punkt zu arbeiten. Wir müssen Wege finden, die wegbrechenden Einnahmen zu kompensieren. Grundsätzlich gilt es, das Dienstleistungsangebot des Verbandes zu verstärken.

Daneben verzeichnen wir aber auch einen permanenten Mitgliederschwund. Das können wir direkt nicht ändern, sofern es sich um Unternehmensschließungen handelt. Aber wir können noch mehr für unsere Arbeit werben, um unsere Mitglieder zu halten und Neumitglieder zu gewinnen. Und wir bleiben mit denjenigen im Gespräch, die nicht mehr Mitglied bei uns im Bundesverband sind. Das ist nicht einfach, wie unser aktueller Versuch zeigt, mit dem LIV Brandenburg und der Innung Potsdam gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Aber unsere Bereitschaft bleibt erhalten, nach Lösungen zu suchen. Erst jüngst haben wir aus Hessen das Signal erhalten, dass der dortige Vorstand den Gesprächsfaden über eine erneute Mitgliedschaft im Bundesverband wieder aufgreifen will. Es ist mir persönlich wichtig, dass wir mittelfristig wieder alle potentiellen Mitglieder im Boot haben werden.

Nicht zuletzt möchte ich noch auf unsere alltägliche Arbeit in den Betrieben eingehen. Besonders die Grabmalbetriebe haben nicht nur mit der sich verändernden Bestattungskultur zu kämpfen, sondern werden dazu noch von dem leidigen Thema „Kinderarbeit“ gegängelt. Viele von Ihnen suchen daher einen neuen Weg, arbeiten bewusst mit europäischen Steinen und bewerben ihre handwerklichen Fähigkeiten. Ich halte dies für den richtigen Weg, denn in der öffentlichen Meinung ist das Thema „Kinderarbeit“ hoch emotionalisiert, und wir stehen geradezu chancenlos da, weil man uns nicht wirklich zuhören will. Unsere juristischen Aktivitäten vor den Gerichten sind erfolgreich, keine Frage, und helfen damit vielen Mitgliedern. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack zurück, der so einfach ist: Die Steinmetze wehren sich gegen eine offensichtliche Ungerechtigkeit, gewinnen Prozesse und sind aber am Ende trotzdem der Verlierer, weil sie sich angeblich damit für Kinderarbeit aussprechen. Dass dies nicht so ist, wissen wir, aber die anderen wollen es nicht hören. Unser Image leidet, auch wenn wir Recht bekommen. Daher müssen wir unsere öffentliche Wahrnehmung mit positiven Meldungen aufpolieren. Wir müssen zu unserem Handwerk stehen und auch deutlich machen, was es heißt, Steinmetz und nicht nur Auf- und Weiterverkäufer zu sein. Wir müssen unsere Fähigkeiten zeigen.

Leider wendet sich der Handel immer mehr von uns ab. Wichtige Firmen kommen nicht mehr auf die stone+tec, sondern gehen zur BEFA-Bestatterfachmesse. Von dieser Entwicklung halte ich gar nichts, denn sie macht unser Handwerk kaputt. Wenn die Steine direkt an den Bestatter geliefert werden, wo bleibt dann der Steinmetz? Wir müssen uns als Handwerk gegen diese Entwicklung positionieren. Wenn sich nun die IGN in einen Verband Deutscher Natursteinverarbeiter umwandelt, befürchte ich, dass dieser Verband auf den ersten Blick für viele unserer Betriebe ein interessantes Gegenangebot zur Innung sein kann. Aber: Ein solcher Verband ist ein Wirtschaftsverband, der ganz klar eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt. Eine Innung, ein Landesinnungsverband und auch der Bundesverband als Fachverband auf Bundesebene verfolgen hingegen unabhängige Interessen und haben das gesamte Spektrum im Blick. Diese Organisationen sind die Strukturen der Steinmetze und werden von ihnen gelenkt. Wenn wir uns jetzt in unseren eigenen Reihen noch auseinander dividieren lassen, wird es all die Angebote und die eigenständigen Einrichtungen in Kürze nicht mehr geben. Dann haben wir keine Tarifverträge mehr, keine eigene Altersvorsorge, keine betriebswirtschaftliche, keine technische, keine friedhofsrechtliche Beratung mehr, es wird keine Werbung und keine Pressearbeit mehr geben, und wir verzichten auf Lobbyarbeit für unser Handwerk.

Das Steinmetzhandwerk hat viele Jahrhunderte zusammen gehalten und mit Stolz seine eigenen Interessen vertreten. Ich möchte, dass wir dies auch in Zukunft noch tun können, nicht nur für den Bereich Friedhof, sondern auch für den Bau und die Restaurierung und Denkmalpflege.

Für unser Miteinander, dass wir pflegen, den Austausch und die Kontakte brauchen wir einen Rahmen und den bieten unsere Innungen, Landesinnungsverbände und  der Bundesverband. Es gibt keine Alternative. Aus meiner Sicht ist dies auch ganz wichtiges Signal an unseren Nachwuchs.

In diesem Sinne danke ich Ihnen nochmals für Ihr Vertrauen und hoffe, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben gemeinsam und konstruktiv lösen werden.

Berlin, 29. Mai 2014

                       

Gustav Treulieb

Bundesinnungsmeister

 

 Antrittsrede-BIM2014.pdf
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